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“Von der Diktatur des Auswegs” oder
“Die Nachrichtenproduktion als terroristischer Pfropf im Labyrinth der Massen.”


“Als ich im Frühjahr 2003 mit der Arbeit an den Figuren und dem Bild für diesen labyrinthischen Abend begann, gab es die Be-drohung des nahenden Golf-Krieges. Wie oft das Wort Bastard in dessen Verlauf fallen würde, konnte ich nicht ahnen. Ein hilfloser Bastard, den man sich leistet, einer, der sich wandelt, ein Bastard, über den man die Kontrolle verliert, einer der sich aufbläst und mordet, der immer gefährlicher wird, der sich einem durch die Medien ins Hirn pfropft, der wohl für immer und ewig dort sitzen bleiben wird, auch wenn man reagiert, bombt und feuert - all das konnte ich nicht ahnen. Vor allem nicht, dass sich einer dieser Bastarde in Luft auflösen würde.Das Wort Bastard stand ursprünglich für einen Mischling, in der Tierwelt für ein Maultier oder im übertragenen Sinne für jemanden, der viel zu tragen hat. Heute steht die Bezeichnung Bastard für uneheliche Kinder, asoziale Wesen. Schauen wir in das verruchte Zentrum des Labyrinths, zu dem dort lauernden Bastard des Minotaurus. Lassen Sie uns ein wenig Sympathie empfinden, mit dieser abgeschobenen, blinden Missgeburt. Eigentlich sollte der Vater des Minotaurus, ein von Poseidon gesandter Prachtstier, von König Minos geopfert werden. Doch dieser versteckte ihn in seiner Herde, worauf sich seine Frau in das Tier verliebte, und aus dem Seiten-sprung den Minotaurus gebar. Dank göttlich verordneten Opferzwangs, einer Art blutiger griechischer Steuer, mussten die Athener ihm jährlich 7 Jungfrauen und 7 Jünglinge in sein frischgebautes, irrwegiges Stammheim werfen, ...kleine 10 - 13 jährige Mädchen und Jungens,Jennifer, Svenja, Sylvia, Mareike, Oliver.... ob der Minotaurus wollte oder nicht, er musste sie fressen.
Misstrauen wir einmal der zahmen christlichen Interpretation, dem sanften labyrinthischen Erneuerungsgedanken. Misstrauen wir dem friedlich meditativen Weg nach Innen, zurück in den geistigen Uterus, der eine zwangsläufige Katharsis und Kehre nach sich ziehen muss.
Misstrauen wir, dass der gefundene Ausweg der richtige sein wird.Nehmen wir das Labyrinth vielmehr als einen sehr blutigen Ort, was nichts Beson-deres ist, da sich die meisten Entstehungs-geschichten der Welt auf Inzucht und Mord gründen. Sehen wir also in dem Labyrinth einen Richtplatz und die Verkörperung des Minotaurus als eine Allegorie des naturhaften und ursprünglichen Menschseins, die es auszulöschen gilt. Halb noch Natur, mehr männlich als weiblich – der Kopf, ein mächtig triebsteuerndes Hormonsystem, das jedem zartgliedrigen kulturellen Empfinden und Denken den Garaus macht. Diese nie missionierbar hormonelle Keule, die nur auf Fortpflanzung oder Triebbefriedigung ausgelegt ist, und deren Ende, durch den mörderischen weiblichen Faden der eigenen Schwester, der in dieses Dunkel hinein und wieder heraus führt, vollzogen wird.
Der Stierkopf, ein Irrtum als Körper-schaltstelle, als verführbarer Körperbeob-achtungsgrenzposten. Sich diesem Trieb-werk zu entledigen bedeutet also Freiheit, bedeutet einen Sieg der Vernunft über die Natur, bedeutet einen Ausweg aus der vollzogenen Extremsodomie einer Königsgat-tin mit einem massigen Stier.
So wurde die Terminierung der Missgeburt ein gerechtfertigter Mord, ohne den unser heutiger Abend samt unserer abendländischen Kultur, nicht denkbar wäre.
Ein ähnlicher Mord als endgültiger Ausweg, so wie ihn diese Märtyrer hier, Sebastian, Dyonisius, und Katharina wählten. Im festen Glauben an die Unsterblichkeit der Seele und mit Hilfe ihrer Feinde, entledigten und befreiten sie sich ihres Körpers.
Nehmen wir einmal an, dass sich auch der Bastard ohne entscheidende Gegenwehr von Theseus töten liess. Er wollte die kleinen Kinder nicht mehr schänden und war in der finsteren Einzelhaft lebensmüde ge-worden. Ein absurdes Martyrium.
Er ließ sich wie ein, in seine eigene Schad-haftigkeit einsichtiger Tumor, aus dem ihn beherbergenden Gehirn herausschneiden, weil ihm im Zentrum dieses Labyrinths klargeworden sein muss, dass er, der durch einen sodomitischen Seiten-sprung Gezeugte, kein Ursprung für andere sein kann, sondern nur ihr Verderben.Rüdiger Safranski beginnt sein Buch “Das Böse” mit den Sätzen:Wenn man in einer unübersichtlichen und gefährlichen Lage nach einem Ariadnefaden sucht, der einen aus dem Labyrinth herausführt, dann wendet man sich den Ursprüngen zu.
Dem Ursprung kann man im doppeltem Sinne entspringen. Man entkommt ihm oder man kommt nur von ihm her und entkommt ihm darum gerade nicht. Man kommt nicht von ihm los und wendet sich an ihn, um herauszubekommen, was mit einem los ist.
So ist der Ursprung entweder ein Anfang, den man hinter sich gelassen hat,
oder einer, der nicht aufhört anzufangen.Die Diktatur des Auswegs,
Die Diktatur der Lösung,
Die Diktatur der Freiheit.
Wir müssen, können, sollen heraus, - heraus, aus was auch immer. Das beginnt mit der Geburt, - sich wehren ist zwecklos. Das grosse Entkommen kommt unaufhaltsam auf uns zu. Wir haben jeden Tag alle Möglichkeiten, und sollen alle Möglichkei-ten leben können, denn das bestimmt unsere Freiheit.
Wir öffnen eine Tür, hinter der sich Millionen weiterer Türen öffnen, durch die zu schreiten uns als freier Mensch ein Bedürfnis sein muss.
Wir schließen die erste Tür, haben das Wissen über die Möglichkeiten im Hirn gespeichert und gehen doch unbefriedigt nach Hause. Der Anblick der Millionen Türen hat uns erschreckt. Wir öffnen die Zeitung, gehen ins Internet, schauen auf Bildschirme und sehen, wie gefährlich es gewesen wäre, hätten wir diese Freiheiten genutzt. Das Mediensystem, in dem wir leben, macht es uns glauben. Gebannt schauen und lesen wir den Geschehnissen hinterher.
Wir lassen die Rollladen herunter, die geistige Tür schnappt ins Schloss. Milliarden von Türen klappern nachts durch unsere Träume. Wir schrecken hoch. Wir sind entkommen. Wir bleiben bei uns, in unserem Kreis. Im Kreis der Uhr, im Kreise der Familie, im Kreise der Lieben, Alltag gleich Kreistag!
Ich drehe am Knopf - Ich spüre die Bewe-gung ich spüre den Strom – ich sitze und werde angetrieben. Und diese Verstärker, die uns antreiben, die uns im Kreis herumführen, die uns immer wieder den Glauben schenken, einen richtigen Ausweg gefunden zu haben oder dem Unglück durch Stillstand und Sesshaftigkeit entronnen zu sein , das sind die rüsselnden Nachrichtenproduktio-nen. Sie erzählen uns in aller fataler Freiheit von den faktischen Fakten und tatsächlichen totalitären Tatsachen, nach denen man sich aus und einzurichten hat.
Wir werden in Form gebracht.Wir bringen uns in Form. Wir wollen, dank Medien-spiegel in einer bestimmten von uns selbst gewählten Form erscheinen. So entstehen Pseudoindividualitätshorden,deren Identi-fikationslust kaum zu bremsen ist, was wiederum dazu führt, dass medial hervorgerufene regierungstreue Schockzustände bei diesen Massen nie geahntes nationales Bewusstsein im Handumdrehen aus - und einbilden können.
Nehmen wir den 11. Sept – innerhalb einer Stunde war schlagartig kein Amerikaner mehr alleine. 300 Millionen Menschen standen Schulter an Schulter unter ihrer Fahne weinend vereint.
Das lateinische Wort Terror bedeutet Angst und Schrecken – genau das wird von den Medien mit ihren Rüsseln in unsere Schüsseln geblasen.Elias Canetti schreibt: Die Einheit des Volkes besteht hauptsächlich darin, dass es unter Umständen wie ein einziger Verfolgungswahnsin-niger handeln kann.Angst und Schreckensproduktionen, Shock and Awe, um Kriege zu legitimieren, um steuerzahlenden Patrioten das kollektive Bewusstsein zu stärken, um ihnen die verrücktesten Versicherungspolicen zu verkaufen. Medienkonzerne, Versicherungen und Banken gehen Hand in Hand.
Den dreieinigen Angstmachern gehören die höchsten Gebäude in den grössten Städten der Welt .
Dank ihnen kann die Welt für Sekunden gemeinsam den Atem anhalten. In früheren Zeiten war es die Kirche, die die Medien, das Kapital und die Versicherung in einer Hand hielt, nicht nur, wenn man den Ablassbrief als Ewigkeitspolice und als Bestechung des Jüngsten Gerichtes nimmt. Immer wieder wurden spendable Möglich-keiten angeboten um der finalen Apoka-lypse zu entkommen.
Wir sind also angstorientierte Scheinesser, und lassen uns gerne in gruppenintegrierende Schockzustände versetzen. Wir wickeln uns wochenlang moralisierend mit Themen ein. Wir haben Hunger auf Neuigkeiten, sind neugierig und wollen essen. Der Golden Toast wird weiter bestrichen – meist mit dem Strom.
So sind wir ein System von untereinander verbundenen Erregungsrinnen, die sich den täglich anschwellenden Themenfluss einverleiben und teilen. Wir sind ein System von Reizleitern, über die die Schreckens-nachrichten klettern um sich in den obersten Stockwerken unseres Bewusst-seins genüsslich einzupfropfen. Wir bilden ein Labyrinth in das unsere Nachrich-tenproduktion anfangs als kommunikativer Faden hinein führte, der uns für einander ausfindig machte, der Orientierung war, ohne den wir mit der Zeit aber nicht mehr heraus zu finden glaubten aus dem Zuviel an Information und Uniformation. Was an-fangs notwendig schien, hat sich ins Gegen-teil verkehrt:
Der Faden begann zu wuchern und füllte ir-gendwann das gesamte Labyrinth bis zur Decke hin aus. Es drückte uns an die Wand. Wir mussten, um zu überleben, tagtäglich diesen fetten Faden fressen. So wurden wir schließlich zu einer neuen Formation unseres Selbst, zu einem Mischwesen, einem verrücktgewordenen Bastard, halb Faden, halb Labyrinth.
Widerspenstige von uns winden sich bei diesen Worten und beharren auf ihrer Autonomie, auf ausreichend kritischen In-tellekt mittels Programmvielfalt. Doch wer besitzt schon die wirkliche Souveränität und kann den Informationsfaden in sich enden lassen, ohne zu ersticken...
oder wer ist fähig, ihn in eine neue platzschaffende Philosophie zu transformieren.Also: Schluss mit der Nachrichtenproduk-tionsmaschine! Machen wir den Versuch:Alle Agenturen dürften nur noch sammeln, ordnen und sichten, ohne den kleinsten Wetterbericht weiterzuleiten. Journalisten in den Winterschlaf – mit den Füssen nach oben in die Büros der Sender an die Decke gehängt. Neuigkeiten werden vergeblich versucht zu konservieren, sie verderben zu schnell. Die Masse wäre für die Machtver-walter nicht mehr so einfach zu erreichen
.
Masse kommt aus dem lateinischen Wort massa, für Teig Klumpen und das wiederum hat griechische Wurzeln in dem Wort: maza für Brotteig.So würden Flugzeugabstürze im Verborgenen stattfinden, Grenzen verwaschen, Nationen verbleichen, – das Risiko erhöht sich aber nur scheinbar. Ein altertümlicher Krieg. wie im Irak wäre unmöglich geworden, denn niemand könnte von seinem Standpunkt aus eine ganze Nation ohne Nachrichten überblicken.Der Nachrichter war im Mittelalter die Berufsbezeichnung für den Henker.... für eben den, der nach dem Richter kam.
So würde sich das Scheinriesentum auflösen. An der Trinkhalle, dem Büdchen, dem Kiosk würde man sich nicht mehr an der Welt und deren vermeintlichen Macht-habern gross und wichtig reden, sondern ihren Platz würden der kranke geprügelte Hund in Nachbars Garten einnehmen, das kranke geprügelte Kind, der kranke geprügelte Mann oder die Frau, die es allesamt nicht verdient haben von einander geprügelt zu werden und krank zu sein. Geprügelt mit Worten – geprügelt mit Alltag, mit Überdruss, mit Älterwerden. Aber hörbar, spürbar, nebenan, interessant und menschlich.
Man würde sich damit den grössten modernen nur denkbaren Luxus leisten, der einer Fahnenflucht gleichkommt, nämlich den Luxus, medial nicht erreichbar zu sein. Er würde über die Masse mit einer unglaublich friedlichen Wucht hereinbrechen. Der kanalisierte Blick könnte
sich weiten, könnte wieder schweifen – 360° – im eigenen und fremden Garten – zu dessen Kirschen, Krokussen und Kindern.
Wir klopfen erneut an die erste, sich uns bietende Tür und öffnen sie: Kein Irak kein Katar kein Kairo kein Kalifornien kein Kuwait in Mündelheim.
Zwar würden sich die Menschen weiterhin vereinzelt die Köpfe einschlagen und heimlich nach den Frauen der Freunde schielen. Vielleicht würde sogar hier und da die eigene Frau des nachts heimlich, dem rudimentär- mythologischen Verlangen erliegen, über ein Viehgatter steigen, um sich, mit zweifelhaftem Erfolg, von einem Stier begatten zu lassen.
Aber nehmen wir diese, fast unvorstellbar friedliche, medienfreie Zeit als Bild: So ist der sich automatisch zerteilende Staat das Labyrinth, in dem es sich auch ohne Faden, auch ohne Nachrichten ganz prima leben lässt. Wir richten uns in das, durch den Mord am Minotaurus verlassene Labyrinth ein. Die engen Mauern machen es uns einfacher einander gegenseitig zu wärmen und den Gedanken der Einsamkeit zu verdrängen. Fast sieht es nun so aus, als würden wir in den uterinären Mutterschoß zurückgeführt, in den kaum andere Laute dringen als die Verdauungsgeräusche und der Herz-schlag der Mutter. Geräusche, die wohl sehr ähnlich denen im
Labyrinth wären, wo an die Wände geklopft und getrommelt werden muss, um Mittei-lungen in den nächsten Gang zu übertragen. Neuigkeiten gibt es nur soweit das Auge, das Ohr – die Hand reicht. Es würden individuelle geformte Figuren und Bilder als Ersatz für Massenkommuni-kationsmittel entstehen, - private Erregung wird neu geübt: ich...teile...mich...mit :
Die Mitteilung wird automatisch zum Kunstwerk, wird autonomes Klärwerk. Gehörtes, Gesehenes, Gedachtes verdichtet sich zu Bildbildchem, verwandelt sich in Wortwörtliches, kann überprüft werden, kann weiter gegeben werden, verändert sich von Gang zu Gang. Hier sehen sie nun die ersten Beispiele für solch eine völlig neue Form der Kommuni-kation: Meine Medienkritik für einen Abend in Figuren gebrannt.
In Figuren gebrannt, wie die Gruppe der Scheinesser, einer absurden Verpuppung von uns heutigen Menschen.
Diese Scheinesser haben elfenbeinschwarze Schuhe, die den zu durchschreitenden Raum symbolisieren, diese Scheinesser tragen Armbanduhren, ein Zeichen für die abzulaufende Zeit. Scheinesser haben rote Ohren und rote Nippel, denn das macht ihr ewiges Warten auf Anschluss sichtbar.
Ihr elfenbeinschwarzer Rock steht für die Scham und das Bewusstsein, Scheinesser zu sein.
Der Künstler hat sich ebenfalls dargestellt:
Er sieht sich in diesem Reigen als eine vermittelnde Figur, die im Begriff ist ihren linken Schuh zu essen. Eine nicht nachahmenswerte Demonstration, da sie als individueller Versuch zu werten ist, dem Raum und der Diktatur des Auswegs zu entkommen, ohne sich, wie die hier anwesenden Märtyrer, entleiben zu lassen.
Die mit den Rüsseln, das sind die Journalisten und Nachrichtensender : CNN BBC ARD,etc (am Ende des Wortes Bastard steht übrigens auch ARD). Die mit den Rüsseln sind mal nackt, mal angezogen, je nach restlichem Schamgefühl. Mal ist ihr journalistisch - rüsselbesetztes Arbeitsgerät nur eine Maske, – ein andermal bereits mit dem restlichen Körper verwachsen.
Die ebenfalls Goldäugigen mit den grünen Köpfen und den weißen Schürzen, das sind die Lügen, die wir angeblich benötigen um all die Wahrheit aushalten zu können. In ihren goldenen Augen können wir uns spiegeln, sie schmeicheln uns. So wie man Opernsängerinnen, bis weit ins 19.Jrh hinein, bevor sie auf die Bühne traten, oder jungen Frauen, wenn man sie ihrem Freier vorführte, ein paar Tropfen einer aus dem Nachtschattengewächs Belladonna destillierten Flüssigkeit auf die Netzhaut träufelte, wodurch ihre Augen in einem hingebungsvollen, fast übernatürlichen Glanz erstrahlten, - sie selber aber so gut wie gar nichts mehr wahrnehmen konnten, wie eben diese Lügen...
Ihre Körper tragen weibliche Züge, nach ihren Artikeln: die Nachrichten, die Wahrheiten und die Lügen.
Doch nun zum Zentrum des Abends:dem Elefantenesser.
Der Elefantenesser ist eine hellblaue Allegorie der geschichtslosen Unverschämt-heit. Der Elefantenesser tilgt einen Elefanten um die Proportionen zu verschieben. Der Elefantenesser möchte seine eigene Grösse neu definiert wissen.
Der Elefantenesser ist neidisch, weil es in seinem Land keine Elefanten gibt. Das größte wandelnde Koloss auf dieser Erde nimmt der Elefantenesser in seine linke Hand und reißt ihm den Bauch auf, frisst seine Innereien, ohne eine Miene zu verziehen. Der Elefantenesser ist der Präsident eines Landes. Der Elefantenesser macht sich bereit für ein Kamerainterview und er weiss, dass wir ihm zuschauen. Der Elefantenesser sitzt in provokanter Weise auf dem Altar, er steht für ein System. Seine Berater haben ihn beraten. Neben dem Elefantenesser sitzt noch ein kleiner Mann. Dieser kleine Mann hat dieses Vertilgen vor Hunderten von Jahren mitbegründet. Er nagt solidarisch an einem verwaisten Arm. Er ist der Präsident eines inzwischen armen Landes, er ist ein Armesser.
Harmlos scheinen dagegen die Scheinesser, Scheinsender und Scheinempfänger zu sein., auch wenn ihnen hier und da vor lauter Scheinkonsum schon goldene Kugeln aus dem Körper quellen. Sie leuchten und scheinen scheinbar endlos zufrieden in diesem wunderbarsten aller Labyrinthe, diesem unentrinnbarsten aller Labyrinthe, nämlich ihrem Selbst zu sein.
Laut neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen beginnt unser menschliches Gehirn sich in langweiligen, immer wiederkehrenden Augenblicken seiner selbst zu vergewissern. Was dazu führen wird, dass es eines Tages an ein eigenständiges Selbst glauben wird und dass es sich, bei diesem neu errungenen Selbstbewusstsein, zwangsläufig ei-nen eigenen Ausweg aus unserem Körper, diesem Konglomerat aus kilometerlangen Adern, Därmen, Lymphsystemen und Irrwegen der Seele sucht.
Natürlich ist es kein Zufall, daß ich dieses Bild für einen Altarraum gemalt habe. Das Abbild unseres menschlichen Gehirns ist nicht nur Sinnbild für unser Denken und den möglichen Sitz eines möglichen Bewusstseins, sondern hin und wieder auch unser aller Kreuz.

”Inszenierung und Rede von Volker März anlässlich der “ Labyrinth “ Kunstnacht in Duisburg- Mündelheim St.Dionysius 2003

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