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...denkbar ist alles ist denkbar ist alles ist...
    dritter Teil der Bruno - Trilogie im italienischen Kulturinstitut Berlin,

Rom Campo dei Fiori 17. 2. 1600
Wie in einem Film, in dem der allen überlegene Hauptdarsteller, als einziger weiß, daß dies nur ein Film ist, und zwar sein Film. Selbst noch als er auf dem Scheiterhaufen steht, im Kreise einer gaffenden Menge, im Beisein von 50 angereisten Kardinälen, Intendanten, Produzenten, ein und der selben Sendeanstalt, nämlich dem Sender der Inquisition, ist er sich sicher, dass sich alles zum Guten wenden wird. Das Schlechte wird dem Guten ausgleichend unterliegen. Sieben Jahre römisch katholischer Kerker konnten ihn von diesem Glauben nicht abbringen. Er hoffte auf die Macht des Gegensätzlichen in dem Einen. Nach soviel Verlassensein und nicht Verstandenwerden musste es doch nun endlich passieren und die Wahrheit würde ihn und die anderen mit all ihrem wärmenden spirituellen Licht in die Arme schließen und das zerstörte Gleichgewicht wieder herstellen. Sollte er aber tatsächlich brennen, bei lebendigem Leib, so war seine Theorie nicht falsch, sondern sie würde seine Interpretation der Jagdmethaphorik des Aktaion - Mythos bestätigen. Dieser griechische Mythos erzählt die Geschichte eines Jägers, der während der Jagd, vom ursprünglichen Weg abgekommen, plötzlich die Göttin Diana nackt in einem See baden sieht. Ihm wächst daraufhin ein Hirschgeweih und seine beiden Hunde, die ihn auf der Jagd begleiten, zerfleischen ihn umgehend.
Eine rein sexuelle Interpretation ist möglich, führt aber naturgemäß in die Sackgasse.
Nach Bruno bestraft nicht die Gottheit den Jäger / Erkenner der Schönheit und Wahr-heit, sondern seine eigenen Gedanken fressen ihren Denker auf, nachdem er die Wahrheit erblickt hat und somit selbst zur Wahrheit wurde. Das Gejagdwerden als Folge des Anblicks der Nacktheit des göttlich Körper bedeutet hierbei die Aufhebung der beschaulichen und genüsslichen Distanz, die seit jeher die große Triebfeder jeder Theorie war.
So wird denn das erkennende Subjekt selbst zum Objekt, da es von den Dingen eingeholt wird, die es durch die Erkenntnis zu beherrschen glaubte.
Bruno sagt dazu: Aktaions Gedanken suchen ausserhalb von ihm das Gute, die Weisheit, die Schönheit im wilden Wald, und in dem Masse, in dem er ihrer gegenwärtig wird, wird er von solcher Schönheit ausser sich gerissen. Er wird Beute und sieht sich in das verwandelt was er suchte. Zugleich wird er gewahr, daß er selbst die gehetzt Beute seiner Hunde, seiner Gedanken wird, weil er schon die Beute in sich selbst zusammengezogen hat und er die Gottheit nicht mehr ausserhalb von sich zu suchen braucht.1 Im Falle Brunos steht die Göttin für das Wissen um den Kosmos mit seinen unendlich vielen Welten. Die beiden Hunde sind: Intellekt und Willen. Aktaion = Bruno.
Dieses Bild hier, stellt nun die Umkehr des Jägers zum Gejagten dar. Es ist nach einem Zeitungsfoto aus dem Tagesspiegel gemalt, bei dem die Hatz auf den Frauenschänder Frank Schmökel idyllisch fotografiert wurde. So treffen sich voyeuristisches Zeitgeschehen mit der griechischen Mytho-logie und seiner renaissancephilosophischen Interpretation.
Bruno dürfte eigentlich nie zu einem ordentlich korrekten Märtyrer getaugt haben, da die Verbrennung an ein Ego/Uno/Selbstüberprüfungsexperiment grenzt. All sein Denken, all seine Überzeugung gegenüber dem All, dem Alles und dem Einen, ging eben von diesem einen aus... dem Uno. Er selbst war Uno und sich dieser Ein - und Ausschliesslichkeit be-wusst. Zitat Bruno: So ist denn letztlich Liebe eine Form des Hasses und Hass eine Form der Liebe. Der Hass auf das Gegengesetzt ist die Liebe zum Gleichartigen: Die Liebe zu diesem ist der Hass auf jenes. Ihrer Substanz und ihrem Ursprung nach sind Liebe und Hass, Freundschaft und Feindschaft ein und dasselbe. Die stärksten Gifte sind die besten Heilmittel. (...)Woher nun mag dies kommen, wenn nicht davon, dass das Prinzip des Seins jener beiden Dinge ebenso eins ist, wie das Prinzip ihrer Erkenntnis eins ist, und Gegensätze ebenso einem Substrat anhaften, wie sie von einem und dem selben Sinn wahrgenommen werden....Es ist eine tiefe Magie das Entgegengesetzte hervorrufen zu können, wenn man einmal den Punkt der Vereinigung gefunden hat.3
Dieser Vereinigungpunkt ist heute und hier Bruno, ist Uno, ist das Eine und das Unendliche um ihn und in ihm herum, das Blau auf den Schnittflächen, den Spiegel-rückseiten unseres Bewusstseins, unserer Gehirne. Raum, Sphäre, Ort, Haus, All, Keller, Zimmer, Schublade, Radiergummi, die Atome im Radiergummi, der Horizont als Trennscheibe, die roten Vögel der Inquisi-tion, Hirn im Spiegel, Hirn als Spiegel, der Kosmos als Kulisse.
Der Blick in das Studio, auf die gebaute Kulisse. Der Blick hinter die im Studio aufgebaute Kulisse. Der Blick aus dem vorbeifahrenden Auto heraus auf das Studio. Der Blick auf den Ortsteil, in dem das Studio steht, in dem die Kulisse aufgebaut ist. Von außen wie von innen gleich. Kosmos, Welt, Stadt, Ort, Studio, Kulisse aufgebaut für uns als Illusion, als Hintergrund, als Grund, als Raum, als Lebensraum, der Gefühle und Gedanken ausslöst, der uns vereinnahmt und uns ausstösst, wie ein Kosmos, der nur Kulisse ist in einem Studio, des Ortes, der Stadt, usw.
Das sinnbildlich, wortwörtlich, bildbildlich Banale meiner Arbeit basiert auf einer Installation, die ich vor Jahren im Nietzsche-haus in Naumburg gezeigt habe.
Nietzsche hatte eine schwere geistige Krankheit und wurde 10 Jahre lang bis zu seinem Tod in diesem Haus, in dem er seine Jugendjahre verbracht hatte, von seiner Mutter, nach deren Tod, von der Schwester gepflegt. Er war also mit 44 Jahren wieder Kind geworden, konnte nicht mehr sprechen, nicht laufen, wurde gefüttert und gewickelt. Eigentlich war das Kind-Sein für ihn eine Metapher für die höchste zu erreichende Bewusstseinsstufe, ein ewiges Jasagen, ein Aus-sich-rollendes Rad, das Amor Fati, das freudige Schicksalsbejahen, ein einziger ewiger lustvoller Luftsprung in das Leben, ja selbst in seine ewige Wieder-holung. So oft durch ihn beschrieben verwirklichte sich sein höchstes Ideal auf traurigster Art und Weise. Bei Bruno war dies der Aktaion Mythos.
Durch die Arbeit am Thema Bruno und seiner Jagdmethaphorik ist nun das Bild des Halben Hundes entstanden.
Ein Halber Hund der dasteht auf zwei Beinen, als sei ihm das Vorderteil weggelaufen, als sei er unterbrochen worden, so wie die Männer mit dem Rasierschaum im Gesicht. Es sind Teile der Hunde, mit denen Aktaion auf Jagd ging. Hunde deren Mitte sphärisch leuchten, in dem sich das Himmelsblau spiegeln kann, wie in einem reinen See der blitzartigen Inkonsequenz. Ist es wirklich inkonsequent wenn ein Hund seinen Herren, wenn ein Gedanke seinen Denker frisst, obwohl der Gedanke eigentlich nur hilfreich beim Fangen nach etwas Nahrhaftem für das tägliche geistige Überleben sein wollte.
Mag der eine Hund den Willen des Jägers symbolisieren, der andere seinen Intellekt, ihre leuchtenden Mittelteile zeigen uns den Moment der Umorientierung. “Dem, dem ich folgte, den werde ich nun vernichten!”. Gibt es die Geschichte aus der Sicht des Hundes? Aus der Sicht des eigenen Willens? Aus der Sicht des Willens, der sich nie selbst wollen kann, sich als Gedanke nie selbst denken kann, sondern immer diesen leidenden, nie ausreichend geliebten, orientierungslosen, nie wirklich fertig rasierten Jäger mit sich herum schleppen muss, der glaubt, er wüsste wo es lang geht und der, kaum hat er sein Ziel erreicht, desillusioniert den Kopf hängen lässt und sich solange neue Ziele einredet, bis er, irgendwann endlich vom Weg abgekommen, die Wahrheit erblickt und er die Hunde, nachdem sie ihn terminieren mussten, zwangsläufig nicht mehr benötigt. Was machen die Hunde dann... so ganz ohne Jäger? Sind sie das Sinnbild des freien Willens, des freien Denkens? Kann sich das Denken dann ein für alle Mal selbst denken? Mit den Halben Hunden habe ich den Anfang gemacht, die halben Jäger müssen warten.”

1 G.Bruno.:” Heroische Leidenschaften”
2 G.Bruno.:”Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen ”

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