Vom Nachteil der Vorteilsuchenden

Kinder sollten per Gesetz die Möglichkeit haben, sich jederzeit von ihren Eltern zu trennen.

Familie, Vater und Mutter und auch Geschwister können ein Irrtum sein bzw. die Freude/Neugierde am eigenen Leben behindern. Die gesetzlich eingerichtete Blutsverwandtschaft sollte aufgelöst werden – das ist vielleicht immer noch ein unbedachtes christliches Rassen-Relikt oder anderen totalitär beschnittenen Blut-und-Boden-Religionen wie dem Islam, dem Judentum – oder der absurden Idee, Kinder seien „automatisch“ Leibeigene ihrer Familien.

Es muss ein Weg gefunden werden, Kinder vor ihren Eltern und Erziehern zu beschützen – Lehrern muss der Beruf entzogen werden können, wenn sie laut Aussage der Kinder versagen, ebenso Ärzten und Kindergärtnern – so, wie man einem Betrunkenen den Führerschein wegnimmt … vielleicht nur für eine Weile, zum Nachdenken, zum Umdenken.

Gute Lehrer sollte man doppelt bezahlen, schlechte unbeliebte Lehrer bekommen nur die Hälfte.

Elterngefängnisse würden nicht viel nützen, denn dann wäre unser Land schlagartig leer … die Idee ist allerdings verlockend … vielleicht temporär … als Versuch … da wäre ich gerne Mäuschen … dann würde ich das entschuldigende Gejammer über die eigenen Eltern hören und mich schieflachen.

Anstatt in Therapien zu rennen, um die immer gleichen Probleme zu kneten, sollten „Erwachsene“ versuchen, sich an die eigenen paradiesischen Zustände vor der ersten Kindheitskatastrophe, jener Ultraverletzung erinnern und sich damit verbinden. Der Moment, bevor man Strategien entwickeln musste, um geliebt zu werden.

Erwachsensein bedeutet für mich eigentlich nicht viel mehr, als ein guter Stratege zu sein … ein Kind im Wolfspelz, das seinen Vorteil sucht, als Ersatz für die verlorene bedingungslose Liebe.

 

Warum also nicht über Kinderinseln, Kinderreservate, Kinderschutzgebiete oder Kinderstädte…  ja, warum eigentlich nicht über Kinderplaneten nachdenken ?! …  ... aber darüber wird dann vermutlich mein nächstes Buch handeln.

Ein Junge liest seinen Eltern aus deren Tagebüchern vor
Esel und Kinder sind meine Lieblingstiere
Flieg Papa flieg
Kindertotenlampe
Tote Mutter freie Räume, toter Vater freie Träume
TRadition
Mütter nennen es Muterliebe, Jungs nennen es Klebstoff

Kinder der Revolution

Revolution

Wenn ich mit meiner Mutter einkaufen ging, dann nahm sie immer etwas mit ohne zu bezahlen. Sie meinte, das sei sehr wichtig, weil es die großen Fabriken ärgern würde, die uns täglich alles Geld aus der Tasche heraus saugen würden. Sie sagte immer, sie glaube nicht an Gott, aber an so etwas, was sie „Revolution“ nannte.

Mir war es wahnsinnig peinlich und ich bat mehrmals meine Mutter, nichts zu stehlen, aber sie stahl immer.

Schlimmer noch als das tägliche Stehlen war für mich das Schwarzfahren mit ihr – das Fahren ohne gültigen Fahrschein … „öffentliche Verkehrsmittel“ seien für die Öffentlichkeit – für jedermann, sagte meine Mutter, daher müsse man nicht bezahlen.

Für mich war jede Fahrt als Kind wie ein Ritt durch die Hölle … und ich sparte für nichts anderes, als mir und meiner Mutter heimlich hin und wieder zwei Fahrscheine zu kaufen, damit ich keine Angst und vor allem kein schlechtes Gewissen mehr haben müsste.

Eines Tages dann reichte mein erspartes Geld und ich kaufte ohne ihr Wissen zwei Fahrscheine. Sie bemerkte es nicht. Genau an diesem Tag stiegen zwei Kontrolleure in Uniform ein und meine Mutter sprang vor Abfahrt der U-Bahn aus dem Zug und ließ mich allein … „Mami!!!“

Die Kontrolleure sahen meine beiden Fahrscheine und wunderten sich: „Warum ist deine Mutter denn aus der Bahn gesprungen?!“ – „Ich glaube, ihr war schlecht!“ – „Ohjeeh, ist deine Mutter krank?!“ – „Nein, sie sagt nur immer, dass ihr schlecht wird, wenn sie Uniformen sieht.“

An der nächsten Station trafen wir beide uns schweigend wieder. Beide konnten wir für Stunden nichts sagen – und beide schämen wir uns bis an den heutigen Tag … jeder für sich … ohne je wieder darüber gesprochen zu haben.

Museum der Eltern

Kinder sind das Museum der Eltern

Man sagt, dass Kinder das Museum ihrer Eltern sind – stimmt das für die Kinder? Wenn sie Kinder sind, wollen sie ein Museum ihrer Eltern sein?

Viele Kinder glauben gar nicht, dass sie die Kinder ihrer Eltern sind und machen sich ihr Leben lang auf den Weg, um ihre wahren Eltern zu finden, die, die so sind, wie sie sich ihre Eltern vorstellen.

Deshalb wollen viele Kinder auch nicht die goldenen Hosen ihrer vermeintlichen Eltern erben. Erben ist sowieso Unsinn, sagen sie. Erben macht dumm und faul. Wenn man sich schon nicht gegen ihre Erziehung erwehren kann, geschweige denn gegen das Vererben ihrer Gene, so sollten die Eltern doch all ihr Hab und Gut zu Lebzeiten ausgeben … oder das Geld aus dem Fenster zu Wildfremden hinabschmeißen … wenn das alle machen würden, hätten wir eine bessere und eine nicht so langweilige Welt.

PS: In früheren Zeiten hat man den Menschen noch auf ihr Grab gepinkelt, wenn sie es zu Lebzeiten nicht geschafft hatten, ihr Geld in etwas Gemeinnützliches umzusetzen … denn Geld an sich hat eben überhaupt keinen Wert, erst seine Verwandlung macht es wertvoll.

Sylvester

Rakete...

Lieber Gott, eines verstehe ich nicht: Warum feiern die Erwachsenen den großen Jahreswechsel an Silvester mit so viel Raketen und Essen und Alkohol, wenn am nächsten Tag, außer den vielen Scherben und dem Dreck auf der Straße, doch alles so ist wie zuvor? Verstehst du das? Sie schauen sogar auf ihre Uhren, um zu sehen, wann der große Wechsel passiert – aber nichts passiert, außer dass alle immer so schrecklich betrunken sind!

Lieber Gott, ich habe da eine Idee. Du kannst doch sicher die Körper der Menschen austauschen, also ich meine auch ihre Seelen … na du weißt schon, oder?! – Also, es wäre doch ungeheuer aufregend, wenn mein Papa und mit ihm alle Erwachsenen zwischen 25 und 75 Jahren zum Beispiel Punkt 24 Uhr verschwänden und woanders auftauchten … und dort, wo sie auftauchen, verschwinden andere, die dann bei uns auftauchen und dann habe ich Punkt 24 Uhr einen neuen Papa!

Und das wäre dann nicht nur bei uns so, sondern überall auf der Welt. Nicht jedes Jahr würden alle ausgetauscht, sondern ganz unterschiedlich alle paar Jahre jeder Zweite oder Dritte … sodass man um Punkt 24 Uhr nicht genau weiß, was passiert … und dann feiert man noch mal zusammen und –Schwupps! –alles ist anders! Ein blinder Bettler in Kalkutta wird Generaldirektor, ein Amerikaner wird Pakistani, Frauen werden zu Männern und umgekehrt …

Meinst du nicht, dass sich die Erwachsenen dann besser verstehen würden, es keine Kriege mehr gäbe … na und dann hätten die Silvesterraketen doch wirklich einen Sinn und man könnte tatsächlich von einem Wechsel sprechen.

Die Röhre

Flugobjekt

Letzte Nacht habe ich geträumt, ich sei eine fliegende Röhre … oben und unten ganz offen … und ich stand in der Luft, während ein furchtbarer Sturm tobte. Und dieser Sturm fegte um mich herum und durch mich hindurch und er bestand aus allem, was es im Leben gibt … aus allem Guten und allem Schlechten.

Ich konnte genau spüren, was gut und was schlecht ist. Daher habe ich anfangs noch versucht, das Schlechte zu blockieren, habe mich als Röhre enger gemacht, um das Schlechte nicht in mir und auch nicht durch mich hindurch sausen zu lassen. Und sobald ich mich enger machte, weil ich „nur Gutes in mir wollte“, wurde meine Außenhaut schlagartig zu einer harten holzigen Baumrinde, die mich verkrustete und immer wieder sehr schmerzte.

Da beschloss ich, alles ungehindert durch mich hindurch zu lassen … und es war ein ganz wunderbares Gefühl … und ich wurde unwichtig, weil der Sturm auch ohne mich weiter blasen wird. Und so blieb mir nur eine einzige Aufgabe: genau zu spüren, was gut und schlecht ist und ihm „Hallo!“ und „Auf Wiedersehen!“ zu sagen und es nicht aufzuhalten.